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Dienstag, 1. Dezember 2009

Deutsche Neugier oder Offenheit für das Fremde?

Ich sitze mit meinem Vater im Wartezimmer der Augenklinik am Airport, Smile Eyes (30.11.09, 10:30 Uhr). Er ist gerade aus der Katarakt-OP herausgekommen und muss noch eine halbe Stunde ruhen. Wir unterhalten uns über die Prozedur. Er erzählt, wie sie ihm ein Tuch über den Kopf legten, den Augenbereich öffneten und in den Augen "herumstocherten" (mit dem Laser).
Da kommt uns ein älterer Herr entgegen. Er saß vor uns auf dem Stuhl. Ist um die 70 und trägt auch einer dieser Augenschutzteile.
Er beugt sich zu mir herunter und sagt mit dem gemächlichen Ton eines alten Mannes: "Was für ein Landsmann sind Sie?"
"Wir kommen aus der Türkei!" sage ich ausdrücklich bewußt, und nicht "Türke!" weil das in meinen Ohren sehr abfällig klingt, geradezu ein Schimpfwort ist. Ich sage auch nicht: "Wir sind türkische Staatsangehöriger!" weil ich mittlerweile die deutsche besitze.
"Aus welcher Seite?" fragt er kundig, was mich überrascht. Denn viele wissen nicht mal, dass die Türkei auch eine europäische Seite besitzt, bzw. aus zwei Teilen besteht: Der anatolischen und der europäischen Seite.
"Wir kommen aus der europäischen Seite, aus Trakien!" sage ich, um ihm noch etwas länderkundliches "beizubringen", bzw. um den richtigen Ausdruck zu benutzen. Denn ich bin Trakier, kein Anatolier. Während Anatolien eine hinterwäldlerische Konnotation hat, Anatolier einen negativen Beigeschmack besitzt, steht Trakien für das europäisch Fortschrittliche. Vielleicht sagt er auch aus diesem Grund zu mir:
"Ihr seid gut!" Oder sagt er "Die sind gut!" Ich nehme es akustisch nicht so genau wahr weil er etwas nuschelt.
Ich frage mich, was er damit meint. Ob wir nicht wie Türken aussehen? Ob wir uns nicht prollig und hinterwäldlerisch verhalten, bzw. nicht das klischeemäßige Verhalten von typischen Türken zu Tage legen.
"Ihr seid gut!" Sagt er und setzt sich an seinen Platz und sagt seiner Begleitung: "Die kommen aus der Türkei!"
Ich sage zu mir: "Ich hätte ihn fragen sollen, was er denkt aus welchem Land wir kommen, bevor ich es ihm gesagt habe." Ich trau mich auch nicht, ihn im Nachhinein zu fragen, was er dachte, woher wir herkommen. Allzugerne hätte ich auch gewußt, warum er wissen wollte woher wir kommen.

Denn solche Szenen gehören zu meinem Alltag:
"Was für ein Landsmann bist du?!"
Obgleich die Leute dies wissen wollen, fragen sie salopp:
"Woher kommst du!?"
Und DA lautet meine Antwort immer: "Ich komme aus Neufahrn!"
Wenn die verwirrt nach meiner Nationalität fragen: "Deutsch!"
Da müssen die schon genauer sein, wenn sie wissen wollen "woher ich her komme!"

Die genaue Frage lautet da: "Aus welchem Land kommen deine Eltern!" oder "Wo sind deine Wurzeln!" Denn ich bin mehr Bayer als Türke. Eher ein trakischer Bayer.
Man fragt einen Afro-amerikaner auch nicht: "Wo kommst du her!" und möchte eigentlich seinen Ursprung wissen, also aus welchem Land seine Sklavenvorfahren hergeschleppt worden sind.

Auf die Frage: "Wo kommst du her!" antwortet ein Afro-amerikaner wohl von wo er gerade herkommt, von welchem Ort oder aus welcher Stadt: "Toilette, Cafe, Saint Louis, Missouri!"

Auf die Frage: "Wo kommst du her!" werde ich demzufolge auch antworten:
"Aus der Toilette, aus dem Cafe, aus Neufahrn!"
Aber nicht:
"Ich komme aus Kirklareli, das ist eine Stadt in der Türkei, und die liegt in Trakien, das ist die europäische Seite von der Türkei!"
Aber das erwarten die Leute, wenn sie mich fragen: "Wo kommst du her!"

Stell dir vor, falls du ein Deutscher bist, wenn man dir die Frage stellt: "Wo kommst du her!"
Da anwortest du auch nicht: "Deutschland" bzw. "Ich komme aus Neufahrn, das ist in Bayern, das ist ein Bundesland von Deutschland!"
Auch dies wäre die richtige Antwort auf die Frage: "Wo kommst du her!" bei mir.

Aber ein Deutscher will nicht das hören und meint auch nicht das.

Wenn er frägt: "Wo kommst du her!" meint er: "Du siehst nicht Deutsch! aus. Also ist dein Vater ein 'Gastarbeiter', der immer noch hier lebt. Aus welchem Land kommt eure Sippschafft!? Was für ein Landsmann bist du? Auch wenn du mittlerweile einen Deutschen Pass haben mögest. Du bist kein Deutscher. Also: DU Ausländer, wo kommst du her! Aus welchem Fremden Land!"

Der Automatismus, der hier läuft muss so aussehen:
"Wo kommst du her?"
"Türkei!"
"Aha, ok!"
Ende.
Eine Frage zurück: "Wo kommst du her?" wäre entweder ein ironisches Spiel oder eine ernste Frage, falls man den Gegenüber nicht als Deutschen zuordnen kann. Denn sonst erntet man wieder verwirrte Reaktionen: "Ich bin Deutscher, wieso?"

Warum fragen die Leute so gerne: "Wo kommst du her!?"
Ist die Person (einfach so) neugierig und will die Neugier für sich stillen, oder ist dies der Beginn eines interessanten Dialogs, eine Öffnung für das Fremde, ein Umarmen und Auflösen der trennenden Wände.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

IMPRESSUM

Da wohl dies von einem Blogger verlangt wird, muss ich wohl zwangsweise meine persönlichen Daten rausrücken, um juristisch für meine Einträge belangt werden zu können.
Bitte keine Werbung und kein sonstiger Mißbrauch.
"Die Anbieterkennzeichnung soll es dem Nutzer – ähnlich wie bei der presserechtlichen Impressumspflicht – ermöglichen festzustellen, wer für den Inhalt eines journalistisch-redaktionell gestalteten Angebots verantwortlich ist und gegebenenfalls haftbar gemacht werden kann."
Also alle virtuellen Einträge von Exoriente Polylux, in diesem oder anderen, eigenen bzw. fremden, blogs ist auf die unten angeführte reale Person zurückzuführen.


Zur Person:

Emrullah Gümüşsoy (M.A. Medienwissenschaftler)
Robert-Koch-Str. 3
85375 Neufahrn
Telefon: +49 179 23166553
E-Mail: emrullahg@hotmail.com
Internet: http://exorientepolylux.blogspot.com/ und http://www.myspace.com/emrullahguemuessoy

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß § 27 a
Umsatzsteuergesetz: DE 115 / 223 / 40733

Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 55 Abs. 2 RStV:
Emrullah Gümüşsoy (Anschrift wie oben)


Inhalt des Onlineangebotes:

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Ich bin stets bemüht, die Urheberrechte anderer zu beachten bzw. auf selbst erstellte sowie lizenzfreie Werke zurückzugreifen. Falls ich Bilder vom Internet benutze, die Urheberrechten unterliegen, und der Schöpfer nicht hier veröffentlicht haben will, wird dieser nach Benachrichtigung sogleich entfernt.

Legende:

Dieses Impressum ist aus unterschiedlichen Impressi aus Blogs und Helferseiten zusammengeschustert. Ist das auch Diebstahl bzw. urheberrechtlich ein Problem?
Hoffe alles wichtige ist drin. Bin kein Jurist. Wollte nur schreiben.

Montag, 5. Oktober 2009

Plakat: Uni Streik 2002



eigenwillige Plakatgestaltung während des Studiums über den Uni Streik 2002, in einem Seminar bei Graphik & Malerei.

Donnerstag, 24. September 2009

24 h Berlin - Mammutprojekt von Volker Heise auf ARTE und ICH

WOW, popkulturjunkie hat das Mammut-Projekt 24h Berlin angeschaut und GEBLOGGT.
Ich habe es mir auch angeschaut, aber nicht gebloggt. Ich empfand das nicht erwähnenswert meine subjektive Sicht, der Öffentlichkeit kundtzutun. Aber ich darf den neugierigen Weißwürschten meinen Senf wohl nicht vorenthalten. Also:

An dem Tag starrte ich wirklich gefühlte 24 Stunden in die Röhre.

Als Langschläfer sass ich natürlich nicht vor 14 Uhr vor dem Flimmerkasten, aber ich ließ mich berieseln von dem ersehnten Leben in Berlin. Nicht nach dem Leben der anderen sehnte ich mich, sondern dem Leben in Berlin.
So ließ ich die Parallel-Zeit im Fernseher laufen, und ließ diesen auch beizeiten rein in meine Behausung, in der ich ein Leben zu führen versuchte, welches ich mit den vielen Leben stets verglich, die mir vorgeführt wurden.

Wie eigentümlich müssten sich die Berliner selbst fühlen, die sich ja in dieser Stadt befanden, und das wahre Jetzt-Leben führten. Vielleicht dachten sie daran, was sie vor einem Jahr am 05.09.2008 so trieben. Ich kann mich vage an aufgestellte Kameras erinnern, die am Hauptbahnhof die Passagiere und den Tumult filmten. Die Aufkleber an den Kameras und Wägen: "24h Berlin" erzeugten in mir den Gedanken: "Ist sowas wie ein internetportal, wo man, wie beim Wetter- oder Städtekanal, die Aussicht sich angucken kann, und was dort gerade abgeht." Kurz flackerte in mir der Wunsch, selbst in dieses Projekt einzusteigen auf, welches im Nu erstickt wurde, von der Realität.

Wie dem auch sei, ich wußte damals ja nicht, das dies am 5. September 2009 ab 6 Uhr morgens auf Sendung gehen würde, u.a. auf ARTE, was zusätzlich mit Public-Viewing-EVENTS in der Stadt Berlin, verbunden sein sollte. Was für ein kurioser Zustand dies während der Ausstrahlung doch sein mochte: Was für "eine erstaunliche Verbindung zwischen dem Leben vor dem Bildschirm und dem Leben darin." Die Realzeit des Mammut-Doku-Projekts "24hBerlin" von Volker Heise flimmerte von Leinwändern an öffentlichen Plätzen, in Cafes, Theatern oder sonst wo, der echten Realzeit der Lebenden in Berlin entgegen, die sich parallel der Handlung mit oder ohne Interaktion vollzog.

Und vom Alexanderlatz in 569.162 km Entfernung saß Emrullah im Kämmerlein und machte sich seine Gedanken, über die reale Welt, über die vielen Menschen hinter der Kamera und über die Unmenge von gedrehtem Material, über die Machart, über die Mammutaufgabe, das alles zu sichten und zu schnippeln. Beachtung.
Und die Kunstfertigkeit, die Reale Zeit mit der Filmischen Zeit überlappen zu lassen, ohne jegliche Verschiebung, oder Pseudo-Parallel-Zeit-Vorgaukelung. Und die Idee ging auf. Gekonnte Arbeit wurde einem da aufgesetzt. Und auch der Inhalt vernahm einen.

Und ich ärgerte mich, dass ich kein Frühaufsteher war, und ich "Berlin 24" nicht von Anbeginn an ab 6 Uhr gesehen hatte, aber ich wollte so lange bleiben wie es ging. Ich denke, ich schaffte es auch bis 24 Uhr. Vor dem Ausschalten, verneigte ich mich vor der Arbeit, und knipste den lebendigen Bildschirm ins Schwarze.
Als Liebhaber gutgemachter, non-mainstream Projekte, hatte ich dieser Arbeit Respekt gezollt und dokugesehen.

Dienstag, 22. September 2009

IRRTUM MIT FOLGEN - oder wie bestellt man einen Döner richtig



Fatale Folgen erwarten einen Deutschen, weil er seinen Döner nicht korrekt bestellt. Die Döner Mafia heftet sich an seine Fersen, weil sich drei Briallenten in seiner Bestellunge befinden. Wird unser Anti-Held sich aus der Situation herausmanövrieren oder verliert er seine Männlichkeit. Lest: IRRTUM MIT FOLGEN - oder wie bestellt man einen Döner richtig

ich brauche dich

Ich brauche dich.
Mein Rückgrad.
Ohne dich kann ich nicht zu meiner Meinung stehen.
Ich brauche dich.
Mein Herz.
Ohne dich kann ich keine Meinung bilden.

HOFFNUNG

Die Hoffnung starb an Lungenentzündung;
Ich konnte sie nicht in die Arme nehmen
in ihrer letzten Stunde.
Schon längst hatte ich sie aufgegeben
und das - konnte sie nicht ertragen.
______
Es heißt: "Zuletzt stirbt die Hoffnung."
aber niemand sagt, was danach stirbt.

Freitag, 18. September 2009

DU sein

Stark im Schmerz
DU.....sein

in dir horchen
..........so tiefer........bewegen
...............deine Kiefer
..........................zu Wörtern,

die dich sprechen.


28.06.2001

am Morgen

Habe Kaffee aufgesetzt!

Erwarte Dich
aus dem Schlaf

Gerissen
das heutige Kalenderblatt
voller Elan

beginnt der Tag
mit dem Kaffeeduft,

und in Erwartung an Dich
wann streckst du dein Bein aus dem Bett?

Ist es ein Warten oder doch Wartung?

Wenn wir zusammenziehen
muss ich dann nicht so lang warten
auf das gemeinsame Frühstück?

Alles gedeckt, der Kaffee ist schon bitter geworden
und letztendlich kannst Du doch nicht kommen.

Schlaf die Nacht bei mir.
dann kommen wir wenigstens am Morgen
bevor du schnell zur Arbeit musst
und es keine Zeit zum Frühstücken überbleibt

deswegen!


29. DEZ. 2007

mehr Worte

Bin alleine.
Sehne mich nach dir.
Du weißt was das bedeutet.
Für mehr Worte bedarf es nicht mehr.

07.02.08

Montag, 14. September 2009

Im Netz vernetzt

Die Vernetzung im Netz ist überaus praktisch, da die einstigen Fußnoten gleich zu nachlesbaren links werden, welche die Untermauerung und Weiterverästelung des Gedanken werden.

Als ich hier meinen ersten Text "Im Netz gefangen" auf exoriente polylux schrieb, wußte ich die Handhabung dieser Verlinkung nicht und schrieb öfters diese gleich rein. Die einst umständliche Auflistung, welche Seiten ich besuchen möchte und wo ich überall vertreten bin, übernimmt nun das visuell verkürte "social identities" link widget in der Seitenleiste, in der ich nun mich selbst im netz vernetze, sei es mit meiner eigenen sozialen idendität, welche wiederum vernetzt ist zu anderen sozialen identiäten, sprich freunden und bekannten (in facebook oder myspace) oder sei es Vernetzung zu meinen Interessen (delicious) oder Arbeiten (Foto, Film, Text). Es ist praktisch, sich selbst wiederzufinden, bzw. zusammenzuhalten, bei der ganzen Zerfaserung oder Spezialisierung der eigenen Interessen.

Es ist wunderlich, wie aus dieser virtuellen, immateriellen Arbeit, doch Berühmtheiten hervorgehen, wie VASTA, die den Sprung ins Fernsehehen zu VIVA schaffte, oder Sascha Lobo, der nun in Talk Shows eingeladen wird, um seine fachliche Meinung zu diversen Themen einzuholen.

Ich einst, bei Anbeginn des virtuellen Zeitalters, machte mir Gedanken über die Möglichkeiten und Chancen, die das Medium einem bot, wagte aber nicht die diffusen Gedanken in Stein zu meiseln. Denn das Dahingehauchte im Dunkel des Schädels, wird, kaum die Tastatur berührt und hinaus ins imaginäre Netz geschickt, ein unlöschbares Monolith, das in die Ewigkeit hinaussummt, solange dieses Medium besteht und bis es überholt wird.

Eine Chance für Macher und Produzenten, von Filmen, Büchern und Werbung, die nun nicht mehr auf kostenaufwendige Produktionen angewiesen sind, und mit einfachen Mitteln hier veröffentlichen können. Die Frage ist nur, wer stolpert über "meine" Seite? Wie schafft man Aufmerksamkeit? Wer interessiert sich für die selben Dinge?
Machen, Schreiben, Filmen, um der selbst Willen, weil es einen selber Spaß macht? L'art pour l'art?

Nun denn, genug des gedachten Gedanken. Rein ins virtuelle Getümmel, wo doch jeder für sich und allein ist. Im stillen Kämmerlein des Gehirns. Vernetzt zu anderen Gehrinen die gehört, gelesen und gesehen werden möchten.

Freitag, 11. September 2009